5. Unsere Emotionalität "befeuert" das Lernen und Behalten

Aktualisiert: Feb 20


Theta-Learning - Supra-Lernen im Zen-Modus - Teil 5

von Stefan Sohst und Günter Lau



Emotionen, Gefühle und Emotionalität sind ein wichtiger Bestandteil des Lebens und, wie wir erkannt haben, sogar essenziell für den Prozess des Lernens. Deswegen widmen wir dem einen eigenen Artikel, auch um zu unterscheiden zwischen Emotionen, Gefühlen etc. und Emotionalität. Denn emotional zu sein, gefühlsbetont zu sein, unterscheidet sich von der emotionalen Aufladung im Prozess des Lernens - das gilt es zu erklären und die Bedeutung für das Lernen zu erkennen. Die Unterscheidung bedeutet hier allerdings in keiner Weise eine Wertung. Beides gehört zum Leben auf diesem Planeten, ja es macht es geradezu aus.



Was genau sind denn nun Emotionen und Emotionalität? Die Wissenschaft tut sich schwer mit der Definition (noch immer gibt es keine präzise wissenschaftliche) und der Durchdringung dieses Phänomens. Der Fachbereich Emotionspsychologie ist gleichzeitig mit Sigmund Freuds Psychoanalyse entstanden. Da sich das Thema Emotionen aber wissenschaftlich wesentlich sperriger darstellte, setzte sich zunächst die analytische Psychologie von Freud durch und die Emotionspsychologie trat unberechtigterweise in den Hintergrund.


Aus unserer Sicht ist die Psychoanalyse in der Praxis der Psychotherapie tatsächlich weit sperriger als die in neuerer Zeit wieder hoffähig gewordene Emotionspsychologie. In ihr werden inzwischen deutlich einfachere und effektivere Wege, eigentlich sogar ganz neue Wege, beschritten, die der Psychologie und der Psychotherapie neue Horizonte eröffnen. Und nicht nur wir haben erkannt, dass Emotionalität beim Lernen eine essenzielle Zutat ist. Menschen wie Professor Gerald Hüther und Professor Mikhail Schetinin zeigen klar auf, dass Emotionen, die Vertrauen schaffen und Begeisterung erzeugen, das Lernen wesentlich erleichtern.


Das ist aber nicht alles. Wie wir nachfolgend zeigen werden, ist die emotionale Aufladung entscheidend für das "Downloaden" von Informationen, das Speichern, das Entschlüsseln und das Verstehen und Ausdrücken von Wissen. Deswegen mussten wir, angeleitet von Stefan, unserem Experten für Emotionen, ganz tief hineintauchen in das Thema, um Supra-Lernen überhaupt verstehen und nutzen zu können. Noch tiefergehend zu nutzen, als wir ursprünglich gedacht haben.


Versuchen wir zu Anfang ein paar Definition. Noch immer wird die Definition von Emotion und Gefühlen wissenschaftlich kontrovers behandelt, insbesondere was sich von wem ableitet. Wir haben uns der Richtung angeschlossen, die sieben Emotionen als grundlegend für die Ableitung von Gefühlen (und Stimmungen, Affekten etc.) erkannt hat. Das sind die sogenannten Basisemotionen nach Paul Ekman: Wut, Ekel, Verachtung, Freude, Trauer, Angst und Überraschung.


In der Psychotherapie haben wir es praktisch ausschließlich mit überdimensionierten, „negativ“ empfundenen Emotionen wie Furcht, Wut und Trauer zu tun sowie von ihnen ausgelösten „Traumata“ und „Besessenheiten“ und ihrer liebevollen „Besänftigung“.

Beim Lernen geht es jedoch um eine emotionale Aufladung von Informationen und Wissen bei der Beschaffung und Speicherung und ihrer Verarbeitung zu Kenntnissen und Fertigkeiten. Dabei begleitet eine tiefgreifende und umfassende Emotionalität den gesamten Lernprozess.



Der Aufstieg der Emotionalität


„Es war 2007 als Bücher wie „The Secret“ in großer Zahl auf den Markt kamen, um uns zu erklären, dass das, was wir gefühlt manifestieren, also das, was wir uns wirklich intensiv vor unser geistiges Auge halten, hinterher die Realität unseres Lebens wird. Also: Was du heute fühlst wird deine Realität von Morgen. Rosige Aussichten? Oder schwieriger Ansatz?


Damals, als diese Bücher neu erschienen, war der humanistische Rationalismus noch tief verankert in unserer Welt. Was Rhonda Byrne uns anbot, war genau das Gegenteil von dem was ich und viele andere von Haus aus gelernt hatten. Was hat das mit Emotionen zu tun? Nun, um den ersten Trugschluss aufzuklären: Gefühle sind die Folge von Emotionen.


Deshalb haben unsere Emotionen einen hochgradig lenkenden Effekt auf uns. Und da die Reputation von gelebter Emotionalität durchaus nicht die beste ist, sollten wir uns ein bisschen mit unserem kulturellen Hintergrund beschäftigen. Sonst laufen wir Gefahr – von unseren eigenen Emotionen unbewusst gelenkt – uns gegen unsere Emotionen zu stellen. Kurios, oder?


Ich bin Anfang der Sechziger geboren. Das war eine Zeit, in der unsere westliche Welt das Vorbild für Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung war. Kreativität, Wissen und harte Arbeit schienen das Erfolgsrezept für ein erfolgreiches Leben. Wer nicht erfolgreich war hatte selbst schuld, wer etwas nicht wusste war dumm und galt als faul, jeder kümmerte sich um „seinen

eigenen Kram“. Den anderen in ihren Kram hineinzureden war nicht nur unhöflich, sondern ein absolutes No-Go.


Wer studiert hatte konnte sich auf ein anständiges Gehalt freuen und die Chefs hatten die Macht. Viele glauben bis heute, dass es so sei und verzweifeln wiederkehrend an der Differenz zwischen Planung und Ergebnis. Menschen machen Ausbildungen bis zum Abwinken, aber es gelingt vielen nur schwer, ihre unglaubliche Expertise zu der Anerkennung zu bringen die sie aus ihrer Sicht verdienen – sei sie finanziell oder eben wenigstens ideell.


War es früher der Fleiß, so scheint es heute zuweilen „das große Maul“ zu sein, mit dem wir heute punkten. „Bad news are good news“ gilt indes schon länger, insbesondere im Journalismus. Aber jetzt werden diese News auch noch künstlich produziert. Für jede banale Nachricht gibt es eine reißerische Überschrift. Außerdem sind es selbst unsere Politiker, die uns vormachen, dass Sachkenntnis sekundär ist. Ob du erfolgreich bist, hängt davon ab, wie mächtig du dich auf die Bühne des Lebens bringst. Leute wie Trump und Johnson führen unsere Welt vor und beleidigen jede Verstandesleistung. Das frustrierende: Sie haben Erfolg und setzen sich auf eine Weise durch, die vielen Menschen Angst macht.


Warum nur schaffen die das? Der Grund ist der gleiche, warum der ahnungslose Kollege befördert wird und der fleißige Fachmann seine Arbeit macht und dabei schlechter bezahlt wird. Und die gute Nachricht ist die: Wenn dir das schon vor der Lektüre dieses Artikels aufgefallen ist, dann gehörst du zu den glücklichen Menschen, die ausreichend motiviert sein könnten, das Leben mal durch eine ganz andere Brille zu betrachten. Wenn du dich mit deinen Emotionen beschäftigst, lernst du zwei wichtige Dinge:


Erstens warum manche Dinge gegen allen Verstand so sind wie sie sind und zweitens, wie du an diesem Umstand etwas ändern kannst.