Lernsystem nach Prof. Michail Schetinin (Tekos-Schule)

Aktualisiert: Juni 8


Lernen war gestern - Wissens-Osmose ist morgen. Die Tekos-Schule und das Lernsystem nach Prof. Michail Petrowitsch Schetinin (Mikhail Petrovich Shchetinin) lässt uns einen Blick in die Zukunft des Lernens werfen. Sehr speziell und nicht kopierbar diente diese Schule als Vorbild und Inspiration u.a. für die Lernsysteme Weinbergschule und Lais-Schule. Die Schetinin-Methodik wurde auch von verschiedenen anderen russischen Schulen übernommen.

„Der Mensch weiß alles - Alle Kinder sind Genies“- mit diesen Thesen stellt Prof. Schetinin vieles auf den Kopf, was wir über Kinder und Lernen zu wissen glauben. In einem bis vier Jahren verinnerlichen die Schüler dort den gesamten Stoff von normalerweise 11 Jahren Schule. Mit 12-13 Jahren studieren einige schon per Fernstudium an Universitäten, während sie weiter Lehrbücher und Lehrmethoden für die Schule entwickeln und zum Teil ältere Kinder im Lernen begleiten. Abgänger der Schule sind in Wirtschaft und Wissenschaft sehr begehrt. Was ist das Geheimnis dieser Schule?

In den 80er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts wurden in Russland eine Reihe von Experimentalschulen gegründet, von denen die private, als Internat organisierte Shkola Akademika Schetinina in Tekos am Schwarzen Meer als einzige bis heute erhalten blieb. Sie ist derart erfolgreich und geachtet, dass sich jedes Jahr mehr als 4.000 Bewerber aus der 5. Schulstufe auf die ca. 150 Plätze des neuen Jahrgangs bewerben.

Der Besuch der Schule ist kostenlos. Allerdings erbringen die Schüler umfangreiche Arbeitsleistungen. Über die Annahme einer Bewerbung entscheiden die Vorgänger, die in der Regel nur 1-2 Jahre bleiben, um in dieser Zeit ihre Hochschulreife zu erlangen. Im zweiten Jahr übernehmen die Verbliebenen je eine Gruppe Neuankömmlinge und begleiten sie als Lernbegleiter durch ihr Schuljahr. Manche ehemalige Schüler bleiben auch länger im Internat, um in seiner fördernden Atmosphäre und Gemeinschaft optimal einen oder mehrere Fernstudiengänge zu absolvieren oder in den dort ansässigen handwerklichen Betrieben zu arbeiten, deren Gewinne zur Finanzierung der Schule dienen. Im Alter von 28 Jahren müssen sie spätestens die Schule verlassen.


Neben dem Schulleiter gibt es bei 300 Schülern nur zwei angestellte Lehrer (Stand 2010). Fachlehrer sind ebenso wenig vorhanden wie Jahrgangsstufen oder ein Klassensystem. Die Lerninhalte werden stattdessen von den Schülern selbst erarbeitet und aneinander weitergegeben. Schetinin spricht von „300 Schülern und 300 Lehrern“. Dazu werden altersgemischte Gruppen von je etwa 5–6 Schülern im Alter von 8-22 Jahren gebildet, „Laboratorien“, die sich im Rhythmus von etwa einer bis eineinhalb Wochen mit jeweils einem Thema befassen. Dies wird als „Immersion“ („Eintauchen“) in ein Thema bezeichnet. Die Schüler erarbeiten selbständig gemeinsam Lösungen zu konkreten Fragestellungen. Es so lange an der Fragestellung gearbeitet, bis sie gelöst ist oder vollständig verstanden ist. Es gibt keine verschiedenen Fächer, sondern nur Wissen, das zur Lösung einer Frage benötigt wird. Das anhand von Fachliteratur erarbeitete Wissen wird anschließend an eine andere Gruppe weitergegeben.


Eine Besucherin der Tekos-Schule beschrieb diesen Prozess, der unter der Anleitung ehemaliger Absolventen der Schule stattfinde, als vier Schritte, die die Schüler durchlaufen:

  1. Inhalte lernen

  2. Das Lehren erlernen

  3. Lehren

  4. Das Lehren lehren

Prof. Schetinin sagte, bestätigt von Besuchern aus aller Welt, der Stoff werde auf diese Weise zehnmal schneller vermittelt als bei traditionellen pädagogischen Systemen. Dies werde durch ein besonders Verständnis der Schüler füreinander ermöglicht, das in einer Atmosphäre von „offenem und freien Miteinander“ entstünde. Er sprach von einem „Kontakt des bioenergetischen Feldes“ oder „sich berührenden Kräften“ zwischen den lehrenden und lernenden Schülern, auch „Wissens-Osmose“ genannt.

Prof. Schetinin selbst warnte davor, seine Methode zu idealisieren: „Kein Programm, keine Methode kann für sich alleine eine erfolgreiche Kindeserziehung garantieren … Unsere Methode ist nicht die Hauptsache, nicht die Methode, sondern den Zweck den wir damit verfolgen. … Menschen dazu zu erziehen, in Harmonie zu leben und in Harmonie mit der Gesellschaft zu handeln …“

„Mikhail Schetinin und die Schetinin-Schule haben uns zwei Dinge geschenkt. Sie haben uns im Jahr 2013, als wir auf die Schetinin Schule gestoßen sind, gezeigt, dass es auch bei uns möglich ist, eine „Schule“ im „natürlichen Sinne“ zu betreiben.


Und das zweite Geschenk war die „Schaubildarbeit“ für über zehnjährige Kinder. Unsere „Strukturbildarbeit“, welche ich im Jahr 2006 entwickelt habe, war auf Jugendliche in der Oberstufe und Erwachsene ausgerichtet. Erst durch die Schaubildarbeit von Schetinin war aber auf einmal klar, dass jede Altersstufe auf eigene Weise „natürlich lernt“. Aus dem Zusammenfügen der beiden Pionierarbeiten ist dann die vierteilige Schaubildarbeit entstanden, welche wir heute verwenden.“ <Dieter Graf-Neureiter>

An der Tekos-Schule findet kein uns bekanntes Lernen statt, sondern eher so etwas wie Wissens-Osmose (das dritte Geschenk) - die Pädagogie-freie, nonverbale Übertragung von Wissen von einem Menschen auf einen anderen. Ein einleitender Teil davon sind Worte und Erklärungen, aber dahinter steckt mehr.


Diese Wissens-Osmose funktioniert nach Prof. Schetinin nur unter bestimmten Bedingungen:


„Es ist es sehr wichtig, dass in den Lehrern kein Gedanke existiert, dass die Schüler ohne Wissen wären. Wenn ein Lehrer etwas so erklärt , als ob die Schüler ohne Wissen wären, dann werden die Schüler auf Dauer kaum etwas behalten können.


Das zweite ist das gemeinsame Treffen auf der Ebene der Aufgabenlösung. Das Lernen geht dann wie von ganz allein. Die Aufmerksamkeit muss auf die Lösung gelenkt werden, statt auf das Auswendiglernen. Man muss den Gedanken von „Lernen“ völlig aufgeben und sich auf das Lösen konkreter Aufgaben ausrichten. Durch die Leichtigkeit der gemeinsamen Aufgabenlösung löst sich die Differenz von Schüler und Lehrer auf und dabei wird das wichtige Wissen aufgenommen. Es ist praktisch wie das Erinnern an etwas. Der Mensch weiß alles!“

Es muss also nicht gelernt, sondern lediglich erinnert oder übertragen werden. Wie das funktioniert, beschreibt Prof. Schetinin so:


„Hier geschieht hauptsächlich die Annäherung. Wenn uns das Treffen gelingt, dann können sie gemeinsam das Ziel erreichen, dass in 10 Tagen der gesamte schulische Mathematikstoff der ganzen Mittelschule erfasst wird. Also auf 11 Jahre geteilte Mathematik, in 10 Tagen. Das ist die Aufgabenstellung.

Das geschieht momentan mit solchen Schülern, denen es gelingt, sich mit anderen Schülern zu treffen, welche dieses Wissen schon haben. Das liegt am offenen, freien Miteinander. Wenn die polaren Strukturen (Kräfte) sich berühren, dann wird Wissen weitergegeben. Das ist bekannt. Beobachtungen an Liebespaaren zeigen, wie sie sich fast ohne Worte verständigen können. Kaum sagt einer etwas, schon hat es der andere bereits aufgenommen.“


Dass Kinder andere Kinder „unterrichten“, hat viele Vorteile. Kinder denken wie Kinder und können es so anderen Kindern besser erklären. Die Schüler an der Tekos-Schule haben deswegen inzwischen selbständig eine völlig neue Lern-Pädaogik für sich selbst entwickelt, und schreiben sich ihre fachübergreifenden Lehrbücher selbst, da die herkömmlichen Bücher aus ihrer Sicht nicht funktionierten.


Die Kinder treffen sich eigenständig, um zu besprechen, wie bestimmte Themen besser vermittelt und verstanden werden können. Und einen neuen Plan für zukünftige Schüler zu entwickeln, wie diese den Stoff leichter und schneller verinnerlichen können. Nur so war es möglich, ein System zu entwickeln, dass es Schülern ermöglicht in 1-4 Jahren den Stoff von 11 Klassen zu verstehen und zu verinnerlichen. Und dadurch, dass der Gedanke, jüngere Kinder wären nicht in der Lage, etwas zu verstehen, schlicht nicht existiert.


„Wir machen keine Trennung nach dem Alter. Für uns ist das sehr wichtig. Lehrer sind auf gleicher Ebene mit den Schülern. Ihre Aufgabe ist die Wissensweitergabe in wenigen Tagen in solcher Art und Weise, dass die Schüler dieses Wissen auch weitergeben möchten.“ erklärt Prof. Schetinin. Oft sind es sogar gerade jüngere Schüler, die einen völlig neuen, kürzeren Weg finden, Dinge zu erklären oder zu lösen.


Doch das (nicht)-Lernen ist nur ein Teil der Schule. Neben Tanz, Singen und Sport, auch Kampfsport, sind die Alltagsaktivitäten ein weiterer Teil. Die Schüler verwalten sich komplett selbst. Sie mauern ihre Schule, sie sägen im eigenen Sägewerk die Bretter, aus denen sie Möbel bauen, sie renovieren, sie machen die Buchhaltung, waschen ihre eigene Wäsche, kochen ihr weitgehend vegetarisches Essen, lernen ihre eigene Kleidung zu nähen, gestalten ihre Räume mit komplexen Wandmalereien und Mosaiken.


Sie helfen auch in der Umgebung, auf den Feldern von benachbarten Bauern oder was sonst noch an sie herangetragen wird. Und zwar alle, egal in welchem Alter, nehmen an all diesen Aktivitäten teil. Man fragt sich, wie diese Kinder das alles schaffen, aber wenn man sich ihren „Arbeitstag" anschaut, wundert einen das weniger. Es herrscht ein streng vorgegebener Tagesrhythmus, von 5 Uhr bis 21 Uhr. Lernen und körperliche Betätigung wechseln sich ab. Und zwar ohne Murren, sondern voller Freude und Begeisterung. Wer diese Schule verlässt, ist ein aktives und lebenstüchtiges Allround-Genie.


Die Kinder müssen dafür auch an die kollektive Volksseele, ihre Ahnen, angebunden sein, verwurzelt in der Natur und Kultur, den Sitten und Gebräuchen ihres Heimatlandes. Nur so kann ein Mensch seine volle Kraft entfalten, meint Schetinin. Und nur wenn Körper und Geist, konkretes und abstraktes Wissen, Wurzeln und Zweige sich gleichzeitig entwickeln, erblüht ein Mensch – die Kombination aller Bereiche zu einem ganzheitlichen Ansatz hat für Schetinin enorme Wichtigkeit.

„Es hat sich herausgestellt, dass sich Fähigkeiten in einem Bereich erst vollständig manifestieren, wenn auch Fähigkeiten in vielen anderen Bereichen des Lebens entwickelt werden. Junge Menschen erobern Gipfel, wenn ihnen noch nicht eingeredet wurde, dass diese Gipfel unerreichbar sind. Es ist unsere Auffassung, dass Fähigkeiten in einem Tätigkeits-Bereich sich aus Fähigkeiten in anderen Bereichen zusammensetzen. Wahres Talent ist ein ganzes Netzwerk von verschiedenen Gaben. Das bedeutet, dass die Entwicklung eines Satzes von Fähigkeit sich beschleunigt, wenn alle diese Fähigkeiten zusammen in Bewegung gesetzt werden. Auch um einen Spezialisten hervorzubringen, muss man folglich zuerst einmal einen ganzheitlichen Menschen hervorbringen – den Menschen als ein einheitliches Ganzes“, erklärt Schetinin.


„Unser Ziel ist nicht Wissen / Know-how / Gewohnheiten zu vermitteln. Es ist nicht endloses Einstudieren und Auswendiglernen, oder das Eintrichtern von Informationen. Vielmehr ist es die Erhöhung des Menschen dahin, harmonisch zu leben, in Harmonie mit der Gesellschaft zu handeln – ein Mensch, der, wenn er die Erscheinungen des Lebens, die ihn umgeben sieht und analysiert, stets ihre Verbindung fühlt und die Welt als ein Ganzes wahrnehmen kann. Und egal, was er ist – ein Ingenieur, Physiker, Chemiker, Baumeister, Lehrer etc. – wird er verstehen, dass er in einer ganzen, vollständigen, einheitlichen Welt lebt.“


Wer die Kinder reden hört, mag sich fragen, wo Schetinin bloß so viele Genies aufgetrieben hat. Aber das hat er gar nicht: „Wir testen keinen IQ. Wenn das Herz eines Kindes offen ist, ist es ein Genie. Wenn du sein Herz öffnest, seine Komplexe, alle Anspannung und Angst entfernst, dann wirst du ein Genie sehen, das schon auf seinem ganz eigenen Weg ist“, legt Schetinin sein Pädagogik-Konzept dar.


Aber auch wenn viele der Berichte über die Schule, vor allem das Lerntempo hervorheben – den Kindern selbst ist die Geschwindigkeit gar nicht wichtig: „Jeder hat sein Tempo. Es ist egal, ob jemand in ein oder in vier Jahren fertig ist. Das innere Wachstum ist das, was zählt. Wenn spirituelles Wachstum stattfindet, ist Schul-Sachen zu lernen sehr, sehr einfach.“ erklärt eine gerade mal 14-jährige wie selbstverständlich.

An dieser Stelle wird klar, dass in dieser Schule besonderer Wert auch auf die Entwicklung von Spiritualität und Naturverbundenheit gelegt wird.


Das Ziel seiner Arbeit ist für Prof. Schetinin die spirituelle und persönliche Reifung der Kinder, die von Anfang an als wissende, gleichwürdige Genies behandelt werden, als die Zukunft und der nächste Schritt der Menschheit und der neue Höhepunkt der Evolution. Wie sollte daher die bisherige Stufe der Evolution die nächste unterrichten? Die Kinder tragen in seinen Augen alles Wissen in sich, auch neues Wissen, das sie erst in die Welt bringen. Deshalb ist es so wichtig, dass sie sich gegenseitig und selbst unterrichten, nach ihrem eigenen System.


Der schönste Moment für Prof. Schetinin? „Das Kind stellt eine neue Frage und beantwortet sie sich selbst. Dabei entdeckt es Wissen, das den Erwachsenen noch nicht bekannt war. Das ist das höchste Ziel, das Bildung erreichen kann.“


Persönliches Fazit: Ich sehe in Prof. Schetinins Philosophie starke Anleihen bei Dr. Maria Montessori, die um die oben genannten drei „Geschenke“ erweitert wurden.


Der russische Hochschullehrer und Sektenfoscher, Alexej Kasatschikow, hält die Methode der Immersion für vielversprechend: Bei der Anwendung in traditionellen Schulen, unter Aufsicht von Fachlehrern und im Rahmen eines geordneten Lehrplans, habe sie zu überdurchschnittlichen Lernerfolgen geführt.


Dennoch ließe sich auch der Eindruck einer gewissen Ideologie nicht ganz verscheuchen – die slawisch-wedische Philosophie und das Anastasia-Gedankengut seien allgegenwärtig. Alle Kinder hätten ein verblüffendes spirituelles Wissen und eine tiefe Beziehung mit der Natur. Das schienen sie allerdings zu einer sehr effektiven Form des Lernens zu nutzen. Daran seien sicher auch noch weitere, vor allem viele positive Dinge zu finden. Trotzdem sei es irgendwie immer seltsam, wenn so viele Menschen ganz und gar einer Meinung seien.


Der Filmemacher einer bekannten Film-Dokumentation über die Schule rekapituliert: „Ich habe tolle Erinnerungen an meine Arbeit mit den Kindern hier. Meine einzige Besorgnis ist: Die Kinder haben keinerlei Privatsphäre (Anmerkung: Die Kinder leben in Mehrbettzimmern und sind den ganzen Tag zusammen). Sie haben keine wirkliche Freizeit, um sich selbst zu erkunden. Es gibt eine einzige alles umspannende Vision: Die von Michail Schetinin. Viele der Arbeiten erfordern enorme Disziplin und Gehorsam. Und ihre Verehrung des Vaterlandes grenzt teilweise an Unterwürfigkeit.“


Dennoch: Die Kinder sprechen für sich. Die Wachheit, Intelligenz, das Verantwortungsgefühl und die Würde, die sie ausstrahlen, sind schon etwas Besonderes. Allerdings: wie ausgelassene Kinder wirken sie kaum. Die Nutzung von Smartphones ist allerdings erlaubt. Ganz weltfremd und ohne Kontakt zu Außenwelt wachsen sie wohl doch nicht auf. Das verhindern sicher auch die vielen Besuchern aus aller Welt, die freudig aufgenommen und durchaus interessiert ausgefragt werden. Und auch Besuche bei Verwandten finden statt, was aber wenig genutzt wird.


Was auf den ersten Blick erschreckend erscheinen mag, ist der fast militärisch disziplinierte und organisierte Teil des Internatslebens: Die Schüler sind körperlich durchtrainiert, teils akrobatisch geschickt, und offensichtlich in ihrem Körper zu Hause. Sie sind in Kampfsport ausgebildet – auch an Waffen. So sieht man schon mal ein 10-jähriges Mädchen Schwertkampf auf Ninja-Niveau vorführen. Oder Jungs in Militär-Klamotten bei militärischen Kampfübungen im Wald. Wer diese Schule verlässt, ist nicht nur ein „Allround-Genie“, er ist auch ein „Krieger“. Angstfrei, durchtrainiert und stark.


Einerseits wirkt das sehr ganzheitlich und beeindruckend, dürfte aber gerade in Deutschland bei einigen auch ungute Gefühle und Erinnerungen wachrufen. Besonders, weil Kinder wie Erwachsene an der Schule keinen Hehl aus ihrem Nationalstolz machen, man lernt für Russland, für die Zukunft der Heimat. Die Schule legt großen Wert auf das Lernen von traditionellen Tänzen, Gesängen, Sagen, auf traditionelle Küche, traditionelle Trachten, traditionelle Musik, die Liebe zu Mutter Russland. Einem Deutschen wird da zunächst vielleicht mulmig.

Der Ruf und der sichtbare Erfolg der Schule sprechen jedoch für sich. Was immer man also über diese Schule denken mag, man kommt nicht umhin, anzuerkennen, was sie leistet, und sie ist eine enorme Quelle der Inspiration. Es darf jedoch auch festgestellt werden, dass die Tekos-Schule ein nahezu „klinisch reines“ Gebilde darstellt, mit „ideal passend“ ausgewählten Kindern in „ideal“ zusammengestellten Gruppen in einer „ideal“ gestalteten Umgebung und einem genialen Leiter mit mehr als 40 Jahren Erfahrung. Die Umsetzung oder Integration dessen in einer „realen“ (Regel)-Schule stellt eine weitere Herausforderung dar.

Der Ansatz von Schetinin enthält viele wichtige, grundlegende Gedanken, die es verdient haben, gehört zu werden – auch wenn man vielleicht nicht mit allem einverstanden sein mag und er und seine Kinder auch noch keine Lösung für Kinder unter 10 Jahren gefunden haben. Leider ist Prof. Schetinin 2019 gestorben und man darf gespannt sein, wie und wohin diese Schule in Zukunft geführt wird.


Wie viele anderen freien Schulen weltweit ist auch diese Schule ein Schlaglicht, welches unser gängiges Schulsystem deutlich infrage stellt. Angesichts dieses Wissens, dieser schlagenden Beweise und auch auch klarer Hinweise aus der Hirnforschung sind Reformen nun mehr als angesagt. Das Beispiel dieser Schule zeigt einen Weg, der auch Freilern-Gegnern und Befürwortern eine (reformierten) Regelschulsystems genügen könnte:


Fördern und fordern UND lassen und zutrauen.



Quellen:


(1) Die Tekos-Schule: 11 Jahre Schule in einem Jahr - SEIN, 13. Januar 2013, https://www.sein.de/die-tekos-schule-11-jahre-schule-in-einem-jahr/


(2) Wikipedia


(3) Bild: www.montessori-material.de

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