Lernassistent/innen in einer Regelschule einführen

Aktualisiert: Juni 9

- In der Krisengegenwart in die Zukunft gehen -


Nach derzeitigem Kenntnis- und Personalstand erzwingt die Corona-Krise auch in Hinsicht auf die schulische Bildung, bisher kaum denkbare, herausfordernde und mutige Wege verantwortungsbewusst in den Blick zu nehmen. Dazu nötigt vor allem das Bewusstsein, dass die Entdeckung eines umfassend verfügbaren, risikoarmen Impfstoffes noch eine unbestimmt längere Zeit braucht und Mutationen und auch neue zukünftige Pandemien durch andere Erreger nicht ausgeschlossen werden können.


Zudem sind die erkennbaren Präsenzbedürfnisse der Kinder und Eltern derzeit nicht ausreichend erfüllbar aufgrund der erforderlichen Reduzierung auf kleinere Klassen und des real existierenden Personalstands, selbst bei enormem organisatorischem Aufwand und erweiterter digitaler Unterstützung. Soziale und psychologische Friktionen sind inzwischen Realität und Lernziele potenziell gefährdet (Stichwort: Corona-Prüfungsbonus).

Was ist zu tun, um derartigen Herausforderungen jetzt unmittelbar und auch zukünftig vorausschauend gerecht zu werden?

Systemische Ergänzung durch Lernassistent/innen


Angesichts der anhaltenden Krise und gegebenenfalls zukünftiger mussten wir über eine generelle Lösung nachdenken. Im Anhang wird daher als ein umfassendes Konzept die ergänzende Einführung von Lernassistent/innen (LA) vorgestellt, das vermutlich einen der am schnellsten umsetzbaren Lösungsansätze bietet. Vom Ansatz her ist das Konzept sehr weit und umfassend gesteckt, so dass es auf die gesamte Schullandschaft passt. Er bietet also einen Ausblick auf eine zukünftige Weiterentwicklung, einen Rahmen, der für eine Schule wesentlich kleiner gesteckt werden kann, wie Sie nachfolgend sehen werden. 


Zusammengefasst bietet er in jedem Fall die Weiterentwicklung bisher ohnehin in Planung und Umsetzung befindlicher Ansätze in eine konsequente, notfallmäßig oder dauerhaft einsetzbare und vor allem allseits zufriedenstellende Form.

In Kurzform sind damit folgende  Kernpunkte gemeint:


Lernassistent/innen

  • übernehmen Kleingruppen von maximal 8 Kindern, auch altersgemischt

  • leiten zu selbständigem und eigenverantwortlichem Lernen an

  • fördern durch ihre Präsenz und Zuwendung den Lernwillen und die Lernfreude

  • sorgen für das Erreichen der Lernziele mit Backup durch das Stamm-Lehrpersonal

Dafür ist eigenes schulisches Wissen für LA zwar hilfreich, aber nicht notwendig. Die Kinder erarbeiten sich unter Anleitung durch die LA das gewünschte/erforderliche Wissen in der Gruppe selbst, indem sie mit Unterstützung des LA auf alle verfügbaren Quellen zurückgreifen.


Die Einführung der LA ins bestehende Schulsystem während der Krise bedient nachfolgende wesentliche Anforderungskriterien optimal:

  • Bildung von risikoarmen, isolierten Lerngruppen

  • Auflösung des Personalengpasses infolge rascher Umsetzung durch Multiplikatoren

  • ausreichende Präsenz und erforderliche Betreuung

  • kurzfristige vollständige Öffnung der Schulen und Vorschulen

  • vorplanbares und rasch installierbares Notkonzept für diese und eine zukünftige Krise

Daneben bietet es, wie in der Anlage dargestellt, noch eine ganze Reihe von Vorteilen, so dass es sich auch als dauerhaftes Konzept für die Zukunft eignet.

Initialisierendes praxisnahes Pilotprojekt

Zur Initialisierung wird ein praxisnahes Pilotprojekt mit folgendem zeitsparendem Vorgehen und nachfolgenden Rahmenvoraussetzungen vorgeschlagen:

  • Rekursive Life-Erfahrung des Systems der LA mit den nachfolgend genannten Teilnehmern mit einer Reihe von vorbereiteten (Lern-)Fragestellungen im experimentell-praktischen Learning by Doing

  • Kurzfristige Auswahl und Gestellung von zwei Lehramtsstudenten (Eignungsvoraussetzungen: Empathie, stabiles soziales Wertesystem, gefestigte Persönlichkeit) für den Zeitraum von 8 Tagen

  • Kurzfristige Auswahl und Gestellung von 6-8 Kindern aus der 3. Klasse (ab nächstem Schuljahr 4.-Klässler) oder, sofern vorhanden, aus der nächsthöheren Klasse für den Zeitraum von 5 Tagen

  • 1 beobachtender Lehrer möglich und erwünscht für den Zeitraum von 8 Tagen

  • Bereitstellung von einem Lernraum und einem Besprechungsraum für 8 Tage

  • Lernziele: Erprobung des Systems, Erarbeitung der praktischen Funktionsfähigkeit im Regelschulsystem, Klarstellung der multiplikativen Umsetzbarkeit und Organisation im Regelschulbetrieb (Empfohlener Durchführungskanon)

  • Termin: Durchführung zu Beginn der Sommerferien 2020, Folgetermine für weitere Klassen mit Ziel der Multiplikation in freiwilligen Lerngruppen noch im Verlauf der Sommerferien möglich

  • Zeitbedarf: 3 Tage kompakt (eventuell Wochenende) zuzüglich 5 Tage anschließendes vertiefendes Training mit der Lerngruppe

  • Kosten: Nur ihre internen Kosten für o.g. Personal, keine Kosten von meiner Seite für den o.g. ersten Durchlauf (Testfall). Kosten für die Multiplikation und die erforderliche Supervision durch mich in der Einführungsphase von ca. 3-6 Monaten nach Absprache. 

Durchführung des Pilotprojekts

Während dieses Lernprozesses soll in den ersten 3 Tagen folgenden wesentlichen Fragen nachgegangen werden:

  • Wie bleibt die Lernfreude von Schüler/innen mit LA dauerhaft erhalten und wie entfaltet sich dabei selbständiges, eigenverantwortliches Lernen?

  • Welche Haltungen müssen LA einnehmen, um die Lernenden optimal zu unterstützen?

  • Welche Eigenschaften und Fähigkeiten und welches Wertesystem müssen LA mitbringen oder erlernen?

  • Welches theoretische und praktische Wissen brauchen LA?

  • Welche organisatorischen und materiellen Voraussetzungen braucht das System?

  • Wie können diese Voraussetzungen praktisch umgesetzt werden und welche Schwachstellen sind dabei zu überbrücken?

  • Klärung weiterer Fragestellungen, die sich im Lernprozess ergeben bzw. von Ihren eingebracht werden, damit das System so vollständig in seinen Facetten ausgearbeitet ist, dass es in der Gesamteinheit einer Schule funktionieren kann und im Anschluss unmittelbar mit der Umsetzung begonnen werden kann.

Dabei können wir das System dadurch erproben und praxistauglich machen, indem wir all unser gemeinsames Wissen, also Ihre umfassende praktische Regelschulerfahrung und Ihre bisherigen Überlegungen, das praktische und experimentelle Wissen von mir und das theoretische neue Wissen und die Frische von jungen begeisterten Erwachsenen, in ein gemeinsames Engagement packen.

Fortsetzung in der Praxis

Als Hauptvorteil dieser Vorgehensweise ergibt sich ein Nukleus von Lernassistent/innen, der umgehend sowohl Schüler/innen begleiten als auch das System weitergeben kann an andere potenzielle LA (u.a. Lehramtsstudenten und freiwillige andere Interessierte bzw. Lehrer) zur Erweiterung auf weitere Klassen. Dies kann dann durch Ausrichtung von Kompaktseminaren mit anschließend einwöchiger Supervision eines Learning by Doing erfolgen. Werden alle zum LA Ausgebildeten zuerst ausschließlich als Multiplikatoren eingesetzt, kann theoretisch binnen minimal 6-8 Wochen ein Team für jede Schulstufe geschaffen werden.

Der nächste Schritt ist die spezifische Ausarbeitung des Konzepts für Ihre Schule und eine Überprüfung auf seine Praxistauglichkeit durch das Pilotprojekt.

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