Das System der Lernassistent/innen in Deutschland einführen

Aktualisiert: Juni 11

- Eine Krisenlösung mit Zukunftsausblick -


Nach derzeitigem Kenntnis- und Personalstand erzwingt die Corona-Krise auch in Hinsicht auf die schulische Bildung, bisher kaum denkbare, herausfordernde und mutige Wege verantwortungsbewusst in den Blick zu nehmen. Dazu nötigt vor allem das Bewusstsein, dass die Entdeckung eines umfassend verfügbaren, risikoarmen Impfstoffes noch eine unbestimmt längere Zeit braucht und Mutationen und auch neue zukünftige Pandemien durch andere Erreger nicht ausgeschlossen werden können.

Zudem sind die erkennbaren Präsenzbedürfnisse der Kinder und Eltern derzeit nicht ausreichend erfüllbar aufgrund der erforderlichen Reduzierung auf kleinere Klassen und des real existierenden Personalstands, selbst bei enormem organisatorischem Aufwand und erweiterter digitaler Unterstützung. Soziale und psychologische Friktionen sind inzwischen Realität und Lernziele potenziell gefährdet (Stichwort: Corona-Prüfungsbonus).

Was ist zu tun, um derartigen Herausforderungen jetzt unmittelbar und auch zukünftig vorausschauend gerecht zu werden?

In der Breite nicht hilfreich, aber dennoch eine Entlastung, stellt die womöglich schon in Planung befindliche Veränderung des Schulgesetzes dar, die Homeschooling analog des österreichischen Modells dort erlaubt, wo es augenscheinlich möglich und gewünscht ist, sowie eine stärkere Förderung von Ersatz- und Ergänzungsschulen. Dies ist nicht nur eine Bestrebung in immer größeren Bevölkerungsteilen, sondern auch ein Gebot der Stunde und darf daher kein Tabu mehr darstellen.

Systemische Ergänzung durch Lernassistent/innen

Wie gesagt, dies kann aber nur Entlastung bieten und keine generelle Lösung darstellen. Im Anhang wird daher als eine umfassende Lösung die ergänzende Einführung von Lernassistent/innen (LA) vorgestellt, die vermutlich einen der am schnellsten umsetzbaren Lösungsansätze bietet. Zusammengefasst bietet er die Weiterentwicklung bisher ohnehin in Planung und Umsetzung befindlicher Ansätze in eine konsequente, notfallmäßig oder dauerhaft einsetzbare und vor allem allseits zufriedenstellende Form.

In Kurzform sind damit folgende  Kernpunkte gemeint:

Lernassistent/innen

  • übernehmen Kleingruppen von maximal 8 Kindern, auch altersgemischt

  • leiten zu selbständigem und eigenverantwortlichem Lernen an

  • fördern durch ihre Präsenz und Zuwendung den Lernwillen und die Lernfreude

  • sorgen für das Erreichen der Lernziele mit Backup durch das Stamm-Lehrpersonal

Dafür ist eigenes schulisches Wissen für LA zwar hilfreich, aber nicht notwendig. Die Kinder erarbeiten sich unter Anleitung durch die LA das gewünschte/erforderliche Wissen in der Gruppe selbst, indem sie mit Unterstützung des LA auf alle verfügbaren Quellen zurückgreifen.

Die Einführung der LA ins bestehende Schulsystem während der Krise bedient nachfolgende wesentliche Anforderungskriterien optimal:

  • Bildung von risikoarmen, isolierten Lerngruppen

  • Auflösung des Personalengpasses infolge rascher Umsetzung durch Multiplikatoren

  • ausreichende Präsenz und erforderliche Betreuung

  • kurzfristige vollständige Öffnung der Schulen und Vorschulen

  • vorplanbares und rasch installierbares Notkonzept für diese und eine zukünftige Krise

Daneben bietet es, wie in der Anlage dargestellt, noch eine ganze Reihe von Vorteilen, so dass es sich auch als dauerhaftes Konzept für die Zukunft eignet.

Initialisierendes praxisnahes Pilotprojekt

Zur Initialisierung wird ein praxisnahes Pilotprojekt mit folgendem zeitsparendem Vorgehen und nachfolgenden Rahmenvoraussetzungen vorgeschlagen:

  • Rekursive Life-Erfahrung des Systems der LA mit den nachfolgend genannten Teilnehmern mit einer Reihe von vorbereiteten (Lern-)Fragestellungen im experimentell-praktischen Learning by Doing

  • Kurzfristige Auswahl und Gestellung von je zwei Lehramtsstudenten durch die Länder (Eignungsvoraussetzungen: Empathie, stabiles soziales Wertesystem, gefestigte Persönlichkeit)

  • Kurzfristige Auswahl und Gestellung von je einem Lehrer gleichartiger Qualifikation als beratende Beobachter durch die Länder

  • Zwei weitere Beobachter seitens des Bundesministeriums möglich und erwünscht

  • Bereitstellung von einem Konferenzraum für 52 Personen sowie 8 Arbeitsräume für je 6 Personen

  • Lernziele: Erprobung des Systems, Erarbeitung der praktischen Funktionsfähigkeit im Regelschulsystem, Klarstellung der multiplikativen Umsetzbarkeit und Organisation im Regelschulbetrieb (Empfohlener Durchführungskanon)

  • Termin: Durchführung zu Beginn der Sommerferien 2020, Folgetermine für Schulen der einzelnen Länder mit Ziel der Multiplikation in freiwilligen Lerngruppen noch im Verlauf der Sommerferien

  • Zeitbedarf: 3 Tage kompakt (eventuell Wochenende) zuzüglich 5 Tage anschließendes vertiefendes Training

  • Kosten: gesamt ca. 60.000 - 70.000 € (Reisekosten und Hotelunterbringung inkl. Verpflegung von 52 Personen, Honorar für zwei Kursleiter

Durchführung des Pilotprojekts

Während dieses Lernprozesses soll folgenden wesentlichen Fragen nachgegangen werden:

  • Wie bleibt die Lernfreude von Schüler/innen mit LA dauerhaft erhalten und wie entfaltet sich dabei selbständiges, eigenverantwortliches Lernen?

  • Welche Haltungen müssen LA einnehmen, um die Lernenden optimal zu unterstützen?

  • Welche Eigenschaften und Fähigkeiten und welches Wertesystem müssen LA mitbringen oder erlernen?

  • Welches theoretische und praktische Wissen brauchen LA?

  • Welche organisatorischen und materiellen Voraussetzungen braucht das System?

  • Wie können diese Voraussetzungen praktisch umgesetzt werden und welche Schwachstellen sind dabei zu überbrücken?

  • Klärung weiterer Fragestellungen, die sich im Lernprozess ergeben bzw. von Ihrem Ministerium eingebracht werden, damit das System so vollständig in seinen Facetten ausgearbeitet ist, dass es in der Gesamteinheit einer Schule funktionieren kann und im Anschluss unmittelbar mit der Umsetzung begonnen werden kann.

Dabei können wir das System dadurch erproben und praxistauglich machen, indem wir all unser gemeinsames Wissen, also Ihre umfassende praktische Regelschulerfahrung und Ihre bisherigen Überlegungen, das praktische und experimentelle Wissen von mir und meinen Kollegen und das theoretische neue Wissen und die Frische von jungen begeisterten Erwachsenen, in ein gemeinsames Engagement packen.

Fortsetzung in der Praxis


Als Hauptvorteil dieser Vorgehensweise ergibt sich ein bundesweiter Nukleus von Lernassistent/innen, der umgehend sowohl Schüler/innen begleiten als auch das System weitergeben kann an andere potenzielle LA (u.a. Lehramtsstudenten und freiwillige andere Interessierte) sowie weitere schulische Einrichtungen. Dies kann dann durch Ausrichtung von Kompaktseminaren mit anschließend einwöchiger Supervision eines Learning by Doing erfolgen.

Werden alle zum LA Ausgebildeten zuerst ausschließlich als Multiplikatoren eingesetzt, kann theoretisch binnen minimal 8 Wochen ein Nukleus in jeder Schule Deutschlands geschaffen werden. Hierbei kann ein bereits existierendes Netzwerk von vorgebildeten Menschen zur Seite stehen, die wir zur Zeit in eine im Aufbau befindliche Einrichtung namens Jonathan.Academy konzentrieren. Diese soll zukünftig in Deutschland, Österreich und der Schweiz tätig werden, wo wir dieses ergänzende System initiieren und fördern wollen.

Der nächste Schritt ist allerdings die weitere vertiefende Ausarbeitung des Konzepts und eine Überprüfung auf seine Praxistauglichkeit durch das Pilotprojekt.


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