Das System der Lernassistent/innen in Deutschland einführen

Aktualisiert: Apr 20

- Eine Krisenlösung mit Zukunftsausblick -


von Günter Lau


Nach derzeitigem Kenntnis- und Personalstand erzwingt die Corona-Krise auch in Hinsicht auf die schulische Bildung, bisher kaum denkbare, herausfordernde und mutige Wege verantwortungsbewusst in den Blick zu nehmen. Dazu nötigt vor allem das Bewusstsein, dass die umfassende Verfügbarkeit eines risikoarmen Impfstoffes noch eine unbestimmt längere Zeit braucht und nicht abgedeckte Mutationen und auch neue zukünftige Pandemien durch andere Erreger nicht ausgeschlossen werden können.

Zudem sind die erkennbaren Präsenzbedürfnisse der Kinder und Eltern derzeit nicht ausreichend erfüllbar aufgrund der erforderlichen Reduzierung auf kleinere Klassen und des real existierenden, reduzierten Personalstands, selbst bei enormem organisatorischem Aufwand und erweiterter digitaler Unterstützung. Soziale und psychologische Friktionen sind inzwischen Realität und Lernziele potenziell gefährdet (Stichwort: Corona-Prüfungsbonus).

Was ist zu tun, um derartigen Herausforderungen jetzt unmittelbar und auch zukünftig vorausschauend gerecht zu werden?

Eine Entlastung bietet eine erweiterte Auslegung der Landessschulgesetze, die die Erfüllung der Präsenzpflicht in Homeschooling-Clustern und Außerschulischen Lernorten (ASL) dort erlaubt, wo es augenscheinlich möglich und gewünscht ist, sowie eine stärkere Förderung von Ersatz- und Ergänzungsschulen. Dies ist nicht nur eine Bestrebung in immer größeren Bevölkerungsteilen, sondern auch ein Gebot der Stunde und darf daher kein Tabu mehr darstellen.

Systemische Ergänzung durch Lernassistent/innen

Wie gesagt, dies kann zwar eine möglicherweise weitgehende Entlastung bieten, aber keine generelle Lösung darstellen. Im Anhang wird daher als eine umfassende Lösung die ergänzende Einführung von Lernassistent/innen (LA) vorgestellt, die vermutlich einen der am schnellsten umsetzbaren Lösungsansätze darstellt. Zusammengefasst bietet er die Weiterentwicklung bisher ohnehin in Planung und Umsetzung befindlicher Ansätze in eine konsequente, notfallmäßig oder dauerhaft einsetzbare und vor allem allseits zufriedenstellende Form.

In Kurzform sind damit folgende  Kernpunkte gemeint:

Lernassistent/innen

  • übernehmen Kleingruppen von maximal 8 Kindern, auch altersgemischt

  • leiten zu selbständigem und eigenverantwortlichem Lernen an

  • fördern durch ihre Präsenz und Zuwendung den Lernwillen und die Lernfreude

  • sorgen für das Erreichen der Lernziele mit Backup durch das Stamm-Lehrpersonal

Dafür ist eigenes schulisches Wissen für LA zwar hilfreich, aber nicht notwendig. Die Kinder erarbeiten sich unter Anleitung durch die LA das gewünschte/erforderliche Wissen in der Gruppe selbst, indem sie mit Unterstützung des LA auf alle verfügbaren Quellen zurückgreifen.

Die Einführung der LA ins bestehende Schulsystem und insbesondere in Homeschooling-Clustern (HSC) und ASL während der Krise bedient nachfolgende wesentliche Anforderungskriterien optimal:

  • Bildung von risikoarmen, isolierten Lerngruppen

  • Auflösung des Personalengpasses infolge rascher Umsetzung durch Multiplikatoren

  • ausreichende Präsenz und erforderliche Betreuung

  • kurzfristig erzielbare, vollständige Öffnung der Schulen und Vorschulen

  • vorplanbares und rasch installierbares Notkonzept für diese und eine zukünftige Krise

Daneben bietet es, wie in der Anlage dargestellt, noch eine ganze Reihe von Vorteilen, so dass es sich auch als dauerhaftes Konzept für die Zukunft eignet.

Initialisierendes praxisnahes Pilotprojekt

Alternative 1:


Zur Initialisierung wird ein praxisnahes, landesbezogenes Pilotprojekt unter Leitung der "Freien Lehrer Initiative" (FLI) mit folgendem zeitsparendem Vorgehen und nachfolgenden Rahmenvoraussetzungen vorgeschlagen:

  • Rekursive Life-Erfahrung des Systems der LA mit den nachfolgend genannten Teilnehmern mit einer Reihe von vorbereiteten (Lern-)Fragestellungen im experimentell-praktischen Learning by Doing

  • Kurzfristige Auswahl und Gestellung von je zwei Lehramtsstudenten je Bezirk durch die Länder (Eignungsvoraussetzungen: Empathie, stabiles soziales Wertesystem, gefestigte Persönlichkeit)

  • Kurzfristige Auswahl und Gestellung von je einem Lehrer je Bezirk mit gleichartiger Qualifikation als beratende Beobachter durch die Länder

  • Zwei weitere Beobachter seitens des jeweiligen Ministeriums möglich und erwünscht

  • Bereitstellung von einem Konferenzraum für 20-30 Personen (je nach Land) sowie 5-6 Arbeitsräume für je 6 Personen

  • Lernziele: Erprobung des Systems, Erarbeitung der praktischen Funktionsfähigkeit im Regelschulsystem bzw. in HSC und ASL, Klarstellung der multiplikativen Umsetzbarkeit und Organisation im und parallel zum Regelschulbetrieb (Empfohlener Durchführungskanon)


Alternative 2:


Weiterbildung ausgewählter/freiwilliger Lehrer und und gezielte Ausbildung von Lehramtsstudenten sowie anderer Freiwilliger durch die FLI:


  • Weiterbildung von Lehrern im Beamten-/Angestelltenverhältnis zum Lernexperten; Zielsetzung: Begleitung von 3-6 Lerngruppen (Lerngruppen-Cluster) unter Anleitung von LA und Betreuern