Warum wir das bedingungslose Grundeinkommen erleben werden und was das mit Lernen zu tun hat

Aktualisiert: Juni 26


Angst blockiert die natürlich Fähigkeit zu lernen und reduziert sie auf ein primitives Minimum, zu Überleben - um jeden Preis - eine tief in jedem Lebewesen angelegte Struktur.

Was das für eine Gesellschaft bedeutet, erleben wir in unserem persönlichen Umfeld jeden Tag. Und das macht Angst, ein Teufelskreis, insbesondere für Kinder, Heranwachsende und junge Erwachsene. Für sie wird es immer schwerer, eine gesunde Ausrichtung im Leben zu finden, die gesellschaftlich und persönlich förderlich ist. Positive natürliche Anlagen verkümmern und machen primitiven Reaktionen Platz wie Gier, Rücksichtlosigkeit, Egoismus und Gewalt.

Viele.sprechen über das bedingungslose Grundeinkommen als eine utopische Lösung und manche tun es sogar als Spinnerei ab. Sie führen als Hauptargument an, dass es Menschen eine noch bequemere "Hängematte" böte als das real prekäre und damit unmenschliche Hartz IV / AMS etc., das lediglich das Überleben absichert, aber wohl kaum die Teilhabe an unserem gesellschaftlichen Leben.

Der Hinweis darauf, das das schon ein hoher Standard sei, verglichen mit anderen Ländern, selbst im europäischen Raum, ist da wenig hilfreich. Das hieße Schlechtes mit noch Schlechterem zu vergleichen und sich darüber freuen, dass es nicht sooo schlecht sei. Zukünftig bekommt das natürliche, angstfreie Lernen infolge einer sich verändernden wirtschaftlichen Situation allerdings Aufwind durch ein bedingungsloses Grundeinkommen.

Ich will hier nicht unbedingt die Vorteile auf der menschlichen Ebene in den Vordergrund stellen. Diese sind ja hinlänglich bekannt und diskutiert - Dinge wie sie uns als Stiftung mit der Möwe Jonathan als Sinnbild sehr am Herzen liegen. Wir glauben einfach nicht an die Theorie, dass dieses Modell die Menschen zur Faulheit anregt.

Für uns persönlich als bedingungslos ehrenamtlich Tätige aus eigenem Antrieb ist diese Sicht allein schon nicht nachvollziehbar und theoretisch, weil wir ja das Gegenteil ganz real beweisen. Aber wir können das vor allem schon deswegen nicht, weil wir durch unsere Arbeit das natürliche, neugierige und lernbegierige Kind kennengelernt haben, das in jedem Menschen steckt. Es muss nur wieder hervorgelockt werden aus seinem inneren Versteck, wo es sich aus Angst vor dem Leben verkrochen hat.

Das geht am Einfachsten mit Bedingungslosigkeit, zuerst beim Einkommen, weil das die Angst vor dem Leben als erstes beeinflusst. Und als nächstes durch das Angebot, alles lernen zu dürfen, was es will, und daraus Seins zu machen. Damit es Spuren in dieser Welt hinterlassen kann. Jeder Mensch will das - und sei es dann doch als ehrenwerte und geachtete Raumpflegerin, die ihre Arbeit gern und sorgfältig macht, weil sie damit den Menschen liebevoll dient und nicht nur widerwillig einem "Lehnsherren", der sie knechtet. Wer kennt sie nicht, liebevoll als "Perle" bezeichnet? Mensch erhält damit seine Würde zurück - seine Menschenwürde, die ihm per Gesetz zusteht und durch unsere Arbeitsentwicklung klammheimlich entzogen wurde.

Das alles sind wichtige Argumente. Aber wie es sich jetzt abzeichnet, nicht unbedingt die entscheidenden für die derzeitigen Entscheider in Politik und Wirtschaft. Das bedingungslose Grundeinkommen bekam nun wichtige und vielleicht entscheidende Schützenhilfe aus den Think Tanks der Wirtschaft als wirtschaftliche Notwendigkeit. Dem kann sich auch die Politik und deren Wähler, also wir, potenziell bald nicht mehr entziehen.

Die inzwischen in der Wirtschaft heiß diskutierte Industrie 4.0 wird deutlich weniger Arbeitsplätze schaffen als sie abschafft. Der Volkswirt Carsten Brzseki rechnet damit, dass in den nächsten Jahrzehnten 60% aller Jobs in Deutschland gefährdet sind, ohne Zahlen zu nennen, wie viele neu geschaffen werden können. Ein Virus-Lockdown wie durch Corona beschleunigt diese Entwicklung nur noch mehr und zieht sie vor, wie zu beobachten ist.

Den Experten ist allerdings klar, dass ein so immenser Jobverlust, wenn er nicht durch neue aufgefangen werden kann, das bedingungslose Grundeinkommen erzwingt. Roboter verdienen kein Geld und geben es vor allem nicht für ihre Bedürfnisse aus. Die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen würde also drastisch sinken und müsste kompensiert werden.

Infolge des bedingungslosen Grundeinkommens würde der Bedarf an Lernen beträchtlich steigen - vor allem in Richtung und Neues und neuem Lernen. Denn wir gehen in ein unbekanntes Terrain, das wir Menschen in dieser Brisanz nicht kennen. Dem Lernen, das den höchstmöglichen Ausdruck des Individuums entwickelt. Weil das Individuum das nicht nur will sondern auch, weil es gebraucht wird.

Eine faszinierende Zukunft. Jeder macht das, wofür er tatsächlich geboren wurde. Das, wofür es ihn gibt. Und das letztendlich erzwungen durch wirtschaftliche Notwendigkeit. Kein Treppenwitz, sondern völlig natürlich. Der Mensch schafft das ab, was er nicht tun muss und kommt zu dem, was nur er tun kann. Die Versklavung von Tieren zur Arbeit hat er ja bereits weitgehend abgeschafft. Jetzt sind die Dinge dran, die ihn selbst versklaven.

Damit wird allerdings auch das Bibelwort ad absurdum geführt, nämlich, dass man nach der Vertreibung aus dem Paradies sein Brot nur noch im Schweiße seines Angesichts verdienen kann. Sicher eine mangelhafte Übersetzung des ursprünglich aramäischen Textes, an die ich nie geglaubt habe. ;-)

Chetano


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